VON BARDONITZ ONE

Photography Christoph Wehrer
VON BARDONITZ ONE AW 12/13

"When you venture beyond identity, you realize that what you are is awakened consciousness. No longer a separate piece of the puzzle of life, but interconnected existence itself."

Die eigene Identität – was ist das? Ist sie greifbar, und vor allem, ist sie statisch und veränderlich? Oder ändert sie sich wie das eigene Lebensgefühl, je nachdem, was in einem Menschenleben von innen und außen passiert? Die Idee, dass jeder in seinem Leben mehrere Stufen des Seins durchlaufen muss, um bei sich und seiner 'Kernidentität' anzukommen, scheint plausibel – genauso wie das Konzept einer parallelen Entwicklung von Individuum und Welt.

Die meisten Menschen sehen und beschreiben sich als einzelne Individuen, die sich aus sich selbst heraus immer wieder neu erschaffen und sich eigenständig entwickeln. De facto heißt das, dass jeder psychisch Gesunde sich seine eigene Realität erschafft, in der er oder sie als eigenständige Person mit einem intakten Ego existiert. Dass man somit von der Wahrnehmung einer individuellen Wahrheit sprechen kann, steht also außer Frage – eine absolute Wahrheit wird auf diesem Weg aber kaum erreichbar sein. Und deswegen stellt sich an dieser Stelle nicht zuletzt auch die Frage, ob es nicht das eigene Ego ist, das einen jeden davon abhält, eine universelle, wahrhaft reale Wahrheit wahrzunehmen.

Eines der plakativsten Beispiele für die kollektive Erschaffung einer potentiell unzutreffenden Realität ist die Benennung von Geschlechterrollen. Obwohl Männer wie Frauen erwiesenermaßen auch viele Qualitäten des jeweils anderen biologischen Geschlechts in sich tragen, werden sie seit Jahrtausenden in bestimmte Rollenkorsette gezwängt, die wenig mit ihrer tatsächlichen emotionalen und biologischen Realität zu tun haben – und die die Frage aufwerfen, wie wir unsere Sexualität und unser biologisches und sozialees Geschlecht definieren und darstellen könnten, um einer allgemeingültigeren Wahrheit Schritt für Schritt näher zu kommen. 

Und, ultimativ: Wieso beschränken wir uns auf unser Ego? Aus Angst davor, uns und unsere allzu eng gesteckten Grenzen selbst zu verlieren? Vielleicht machen wir uns von dieser unbestimmten Angst frei, wenn wir uns selbst als Teil einer großen, ja universalen Realität und Wahrheit begreifen. 

Kokonartige Formen und weite Capes stehen für den Bezug zu sich selbst, hochgeschlossene Krägen für die Darstellung der Introvertiertheit. Die Konsistenz ist linear und statisch aus schweren Wollstoffen. Auf eine geschlechterspezifische Zuordnung wird verzichtet. 
Transparente, leichte Stoffe stehen dagegen für die  

Präsentation seiner Selbst. Während die Form sich weiterhin der Einheit von Mann und Frau verschreibt, wird durch Spitze, Seide und Chiffon das Geschlecht extrovertiert sichtbar gemacht, ohne zu idealisieren. 

Die dominierende Farbe in der Kollektion ONE ist Schwarz. Sie ist das Bindeglied, während durch Creme-Beige und Oliv feingliedrige Farbakzente erschaffen werden, die das Schwarz brechen.

VON BARDONITZ ONE - AW 12|13

MERCEDES BENZ FASHION WEEK BERLIN
STUDIO PRESENTATION 



18 JANUARY 2012 - 5PM TO 6PM